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Brief an den Baden-Württembergischen Kultusminister Andreas Jung

Sehr geehrter Herr Kultusminister Andreas Jung,

ich bin Geschäftsführerin der didactmedia GmbH. Wir sind seit über 30 Jahren Partner der Medienzentren der Länder und der Kommunen im gesamten deutschsprachigen Raum. Und wir sind der größte Medienanbieter aus Baden-Württemberg, der exklusiv für diesen Markt didaktische Medien produziert. Zufällig sitzen wir in ihrem ehemaligen Bundestagswahlkreis am Konstanzer Seerhein. Gerade deswegen würde es mich freuen, wenn Sie sich mit meinem Schreiben persönlich auseinandersetzen könnten.

Wir haben mit Unverständnis und Überraschung von den Unregelmäßigkeiten und dem Fehlverhalten in der Führung des Landesmedienzentrum Baden-Württemberg (LMZ) erfahren. Überrascht deshalb, weil wir im LMZ seit vielen Jahren mit hochqualifizierten Menschen in funktionierenden Abläufen zusammenarbeiten. Aus Ihrem Ministerium wird kommuniziert, dass auf Verfehlungen Einzelner mit der Zerschlagung des LMZ und der kommunalen Medienzentren reagiert werden wird. Das ist für mich nicht nachvollziehbar. Hat das eine doch nichts mit dem anderen zu tun. Strukturelle Probleme gibt es offensichtlich bei der Aufsicht über die Behörde, nicht jedoch bei der erfolgreichen und unverzichtbaren Arbeit der Medienzentren.

Die Konsequenzen aus dem Skandal beim LMZ scheinen mir nicht bis zu Ende durchdacht. Als engagierter Anbieter hoher Medienqualität im Unterricht sind wir auch hinsichtlich der Digitalisierung des Unterrichts mit Herzblut bei der Entwicklung dabei. Neben der Begutachtung und Lizensierung von didaktischen Medien leistet das LMZ in Kooperation mit den kommunalen Medienzentren eine Vielzahl an wertvollen Aufgaben zum digitalen Wandel der Schulen, welche die kommunalen Schulträger nicht selbst leisten oder finanzieren können.

Wenn ich mir nur am Beispiel Konstanz die Folgen ansehe, wird mein Unverständnis deutlich: Im Kreismedienzentrum wird eine hervorragende und funktionierende Arbeit durch die Leitung und durch die Regioberater für die Bereiche Pädagogik und Technik des LMZ geleistet. Die Stadt Konstanz als Schulträger hat erst kürzlich 1 600 Tablets für den Unterricht beschafft. Wer soll den Service übernehmen, wenn nicht das kommunale Medienzentrum? Wo sollen die kommunalen Schulträger diese qualifizierten Ressourcen sonst hernehmen?

Das Kultusministerium hat mehrfach in- und extern kommuniziert Leitung und Regioberaterstellen des LMZ aus den kommunalen Medienzentren abziehen zu wollen und wieder in den Schuldienst zu integrieren. Wenn Sie das umsetzen, wird ohne Not aufgebaute Kompetenz in breiter Fläche verloren gehen.

Zeigen Sie mir den Kämmerer in einem Landkreis oder einer Stadt in Baden-Württemberg, der Leitung und Berater in seinem kommunalen Medienzentrum auf eigene Haushaltsstellen ersetzt. Sie stellen kommunale Schulträger also mit der Entbindung der Pflichtaufgaben vor unlösbare Aufgaben und entlasten diese nicht.

Wollen Sie jetzt wieder zurück zu einer Struktur bevor es diese durch das LMZ finanzierten Stellen bei den kommunalen Medienzentren gab? In jeder einzelnen Schule kümmert sich dann wieder der „Computerlehrer“ (auch Landesbeamte!) naturgemäß eher schlecht als recht um alle Netzwerk- und Hardware-Belange und um die Medienkompetenz an der jeweiligen Schule? Nicht umsonst wurde vom LMZ gehandelt, um dieses Flickwerk zu beenden.

Welche Idee hat diesbezüglich Ihr Ministerium nach der Wiedereingliederung der abgeschafften Leitungsstellen und Berater-Fachstellen in den Schuldienst? Neue Stellen dafür aufbauen? Und vom wem? Oder die kommunalen Schulträger mit ihren Problemen einfach allein lassen?

Ich kann bislang kein Konzept erkennen. Können Sie dieses der Öffentlichkeit transparent machen? Es muss ja in Ihrem Ministerium ein Plan vorliegen, wenn Sie das Ergebnis schon offen kommunizieren: Defacto Auflösung von LMZ und kommunalen Medienzentren.

Ich fürchte, wenn Sie die Struktur des LMZs und der kommunalen Medienzentren jetzt mit dem Vorschlaghammer zertrümmern, werden Ihnen und vor allem den kommunalen Schulträgern einige Brocken schmerzhaft und teuer auf die Füße fallen.

Der Schulalltag sieht trotz guter Lösungsangebote für die Nutzung digitaler Medien im Unterricht wie die Sesam-Mediathek verheerend aus. In Baden-Württemberg werden täglich durch Vorführung von Filmausschnitten und Videos „aus dem Internet“ im Unterricht tausendfach Urheberrechte verletzt. Nur weil nach dem Prinzip gehandelt wird „wo kein Kläger, da kein Richter“ ist das kein haltbarer Zustand, der vom Ministerium geduldet werden kann. Wir als Anbieter rechtssicherer und fachlich geprüfter Medien halten still, sehen aber mit Sorge, dass sich die Sesam-Mediathek bei vielen Lehrkräften längst nicht als Standard durchsetzt. Hier wäre es wichtig anzusetzen und sowohl für Rechtssicherheit als auch für Qualität zu sorgen.

Wie sollen Pädagogen jungen Menschen Medienkompetenz vermitteln, wenn sie selbst Unterrichtsmaterial aus dem Internet „klauen“, ein solches Beispiel geben und selber kein Unrechtsbewusstsein dafür entwickelt haben. Willkürlich aus dem Internet zusammengeklaubte Filmausschnitte sind weder auf Qualität noch auf Fakten geprüft. Und weder Qualität noch Fakten sind dann auch nur im Ansatz gewährleistet.

Ganz ehrlich: Auch mit fachlichen Regioberatern des LMZs haben wir an diesem Punkt noch eine lange Wegstrecke vor uns. Schulungsangebote allein werden da nicht ausreichen. Die vertrauensvolle, kontinuierliche Beratung vor Ort durch das Medienzentrum scheint mir unersetzbar. Gerade weil die Leitungsstellen im praktischen Schuldienst aktiv und direkt als persönliche und individuelle Berater in den regionalen Schulen verankert sind. Nur im kommunalen Medienzentrum kommt alles aus einer Hand: Beratung, Bereitstellung von Angeboten, Medien und Technik. Nur das kommunale Medienzentren kennt den zielgenauen Bedarf an Medien und Technik der jeweiligen Region und Struktur von Schulen.

Digitale Unterrichtsqualität wird nur durch Prüfung, Lizensierung und die medienpädagogische Beratung von Fachleuten vor Ort erreicht. Nur eine professionelle Bereitstellung lehrplanbezogener und auf Eignung geprüfter Medien schafft Qualität und Rechtssicherheit beim Einsatz didaktischer Medien im Unterricht. Die kommunalen Medienzentren sind die Kompetenzzentren für diese Aufgaben. Wie wollen Sie diese Kompetenzzentren ersetzen?

Noch eine Anmerkung in eigener Sache: Die aus Ihrem Ministerium behaupteten Doppellizensierungen von Land und Kommunen können wir nicht bestätigen. Bei der Angebotsabgabe für den landeseitigen Lizenzerwerb didaktischer Medien war vom LMZ immer Ankaufsbedingung von kommunalen Medienzentren erworbene Lizenzen dem Land in Abzug zu bringen. Was selbstverständlich auch geschah. So hat das Land immer nur Lizenzen für die kommunalen Medienzentren erworben, die noch nicht lizensiert hatten.

Ich habe keine Zweifel daran, dass lehrplanbezogene, auf Qualität geprüfte didaktische Medien mit Rechtssicherheit auch in Baden-Württemberg weiter einen Markt haben. Ich sehe aber auch mit Sorge die Unsicherheit, die jetzt schon bei den kommunalen Medienzentren und deren Trägern entstanden sind.

Medienbeschaffung und aufgebaute Angebote sind ohne Not durch die Ankündigungen Ihres Ministeriums schon jetzt beeinträchtigt. Die Verunsicherung ist groß. Stagnation tritt ein. Das ist das Letzte was wir bei der Digitalisierung von Schule gebrauchen können.

Wenn ich mir die Landtagsdebatte vom 23. Juli 2026 ansehe, sprechen selbst die Regierungsparteien völlig konträr zu den Konsequenzen aus dem Skandal beim LMZ. Selbst beim Wortbeitrag aus der CDU-Fraktion wurde das LMZ nicht grundsätzlich in Frage gestellt. Nur Ihr Ministerium bewies im Plenum große Entschlossenheit nun Fakten schaffen zu wollen. Diese wurden auch bereits vielfach kommuniziert ohne den parlamentarischen Prozess in der Sache abzuwarten. Ich bin Laie im parlamentarischen Geschäft. Aber ist das üblich?

Ich habe Sie als umsichtigen und überlegten Parlamentarier unseres Wahlkreises wahrgenommen und erlebt. Gerade deswegen bitte ich Sie: versachlichen Sie die Debatte, handeln Sie überlegt und erhalten oder erarbeiten Sie verantwortungsvolle Konzepte. Und sorgen Sie nicht weiter für Unsicherheit, welche die Abläufe jetzt schon erheblich stört.

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